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Die Villa Am Stadtpark 22 in Werdau
Die Geschichte eines Gebäudes: Fabrikantenwohnsitz, Kindergarten, Kinderkrippe und heute ein moderner Bildungsort für Musik und Kultur für die Stadt und die Region Werdau
Die alte Villa am Stadtpark ist mit ihrer besonderen Architektur und einem Dach mit Giebeltürmen ein Gebäude, welches vielen Besuchern und Anwohnern der Stadt Werdau ins Auge fällt. Ein Haus, das durch sein Erscheinungsbild das Interesse für die Geschichte dieses wunderbaren Objektes weckt und auf eine interessante Zeitreise zurückblicken kann: Das Gebäude wurde ursprünglich als Villa und als Wohnsitz der Fabrikaten-Familie Ullrich in Werdau erdacht und geplant. Der Bauherr war Bruno Ullrich, einer der Söhne aus der ersten Ehe des Fabrikaten Otto Ullrich.
Das Haus war Teil eines Industriekomplexes mit Fabrik- und Verwaltungsgebäuden, welcher sich auf dem Arial am Stadtpark erstreckte. Otto Ullrich Tuchfabrikant und leitete die Firma an der August-Bebel-Straße 89 in Werdau. Der Baubeginn der Villa war 1897, im August 1898 wurde das Gebäude fertiggestellt und vom Architekten Rudolf Zetsche aus Gera an den Bauherren übergeben. Es diente vor allem als repräsentativer Wohnsitz: als Ausdruck des wirtschaftlichen Erfolges und des Wohlstandes der Familie Ullrich.
Auch nach dem Tod von Bruno Ullrich blieb das Haus weiterhin im Besitz der Familie und wurde von seiner Frau Liddy bewohnt, später von seinem Sohn Werner Ullrich.
Die Stadt Werdau blieb glücklicherweise im 2. Weltkrieg von großflächigen und schweren Bombenangriffen, wie sie viele der benachbarten Städte erlitten hatten, verschont. Somit blieb auch die Bausubstanz der Villa am Stadtpark sehr gut erhalten, was man noch heute an der originalen Fassade erkennen kann.
Mit der Gründung der DDR ging das Gebäude aus dem Privatbesitz in das Volkseigentum über; ab 1951 wurde hier das Kreiskinderheim untergebracht. Im Jahr 1959 wurde die Villa zur Kinderkrippe „Anne Frank“ umgebaut – mit einer Großküche, einer Wäscherei im Keller und einem Aufzug diente es ab diesem Zeitpunkt vielen berufstätigen Familien als sicherer Ort für die Betreuung ihrer Kinder während der langen Arbeitstage: Möglich war eine Komplettversorgung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr.
Dieses Konzept wurde weiter verbessert, so dass es ab 1978 zu eine Wochenkrippe ausgebaut wurde – nun konnten Kinder schon ab der achten Lebenswoche aufgenommen werden. Durchschnittlich wurden in dieser Einrichtung in der Villa am Stadtpark zeitgleich zwischen 65 und 85 Kinder betreut und erlebten hier einen Teil ihrer Kindheit.
Am 1. August 1992 wurde die Einrichtung geschlossen und bot Räume für das 1987 in Werdau gegründete Musikkabinett, das regional Instrumentalunterricht anbieten konnte. Weitere andere Standorte wie Kirchberg, Wildenfels, Crimmitschau, Wilkau-Haßlau und Steinpleis führten zu einer Erweiterung der Unterrichtsangebote und zu steigenden Schülerzahlen.
1990 erhielten diese Musikkabinette durch einen Kreistagsbeschluss den Status einer Kreismusikschule unter dem Namen „Clara Wieck“, das neue Domizil des Hauptstandortes Werdau wurde ab 1993 die Villa „Am Stadtpark 22“ in Werdau.
Durch das Hochwasser im Jahr 2013, bei dem der steigende Wasserspiegel der Pleiße große Teile von Werdau überfluteten, wurden auch die Räumlichkeiten der Kreismusikschule „Am Stadtpark 22“ stark in Mitleidenschaft gezogen. Besonders die Räume im Keller des Gebäudes wurden stark beschädigt und konnten daher zunächst nicht mehr für den Unterricht genutzt werden. Eine umfassende Sanierung des gesamten Gebäudes war notwendig, um die Durchführung des Musikunterrichtes auch in Zukunft zu gewährleisten. Durch die aktive Fürsprache und die Einsatzbereitschaft des Vorstandes des Fördervereins der Musikschule „Clara Wieck“ und die damit erwirkte Bereitstellung der finanziellen Mittel durch den Landkreis Zwickau wurde die Sanierung des gesamten Gebäudes möglich.
Das Musikschulgebäude bietet mit seinen vielseitigen räumlichen Möglichkeiten wie Kammermusiksaal, Unterrichtsräumen, Lehrerzimmer sowie einem Probenraum für Bandarbeit und dem weitläufigen Grundstück alle Voraussetzungen für den modernen Instrumental- und Gesangsunterricht. In den vielseitigen und großzügigen Räumlichkeiten wird Schülerinnen und Schülern durch die qualifizierte Anleitung der hauptamtlichen und nebenamtlichen Lehrkräfte eine musikalische Ausbildung auf höchstem Niveau geboten. Mitten in Werdau ist so ein Ort der musikalischen Bildung und der Kultur in und für die Region entstanden, an dem sich alle wohlfühlen können.